Entstehung & Name


Die Entstehung und Name des Dorfes

Arfrade – Dorf an der Cleverau, 3 ½ Meilen nordwestlich von Lübeck, im Fürstentum Lübeck, Amt Schwartau, Kirchspiel Curau.

Der Name des Dorfes wird von Arivithroth (Abschrift 1328), Erwethrode (Or. 1330), Erwitrode (Niederstadtbuch 1416) abgeleitet. Diese ursprünglichen Bezeichnungen bedeuten Erbrodung, Arbeitsrodung oder Feuerrodung, da mecklenburgisch Arwstahl gleich Feuerstahl hieß.

Der Name lässt sich wohl so erklären, dass der vorhandene Wald mit Hilfe von Eisenwerkzeugen und mit der Unterstützung eines angelegten Feuers gerodet wurde, so dass daraus der Name Arfrade (Feuerrodung) entstanden ist. Die Menschen, die diese Tätigkeit ausübten, haben sich dann auf der gerodeten Fläche niedergelassen und ihre Häuser gebaut.

Dieses schön gelegene Dorf schenkte 1376 Hermann Gallin der Marienkirche zu Lübeck zur Stiftung einer Vicarie. Es besteht außer einem aus 2 Hufen bestehenden Hof (Arfrader Hof) aus 10 Vollhuf, 1 Viertelhuf, 14 Eigen-Katen, 10 Altenteil-Katen, 1 Armen-Kate; das ganze Dorf wird für 13 Hufen gerechnet. Eine Wassermühle liegt im Dorf und eine Windmühle etwas östlich.

Der Boden ist ein fruchtbarer Mittelboden, die Wiesen sind ansehnlich, teils gut, teils von mittelmäßiger Art. Die kleinen Moore sind nicht ausreichend und geben auch keinen guten Torf.


Die Flurnamen

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Skizze von Werner Flick, 1980

Die Flurnamen lassen einen alten, im Südwesten zur Bargerau offenen Waldkranz erraten. Radekoppel, Brook, Voßberg, Hilgenrade (hintere Rodung, die in der Abseite, „up de Hilgen“), Holtkoppel, Kohlhorst (Kohlenmeilerwald); diesen südöstlichen Namen steht vereinzelt im Norden „Glashütte“ gegenüber. Bei den die Lüde füllenden Bergnamen: Andrang, Schaarberg (beides bedeutet Steilhang), Bargkoppel und Barg ist aber ebenfalls alte Bewaldung anzunehmen. Einmal der schwerer zu beackernden Hänge und zugigen Höhen halber und dann wegen des sonst zu dürftig ausfallenden Holzbezugs der erwähnten Glashütte. Der größte Teil dieses Waldgürtels, der rechts des Dissauer Weges im „Höllengrund“ (helle = Halde / Hang) endet, wird sicher erst in der industriereichen Spätrodezeit um 1600 niedergelegt sein.

Enger um das Dorf scharen sich die alten Äcker Lehmkamp, Tremsenbarg (Kornblumenberg) und Sandjahrten (wenn dieses Stüd nicht erst später aus sandiger Gemeinweide „zugemessen“; Jahrt = Meßgerte; ist). Dazu kommt in der Nordede Hehnenkamp (heene= Ede; oder Heen=Hain). Wiesen und Wiesenhügelnamen sind: Langer Seegen (sige = niedrig, feucht), Röhn (Rönn= Rinne oder Renn=Rain, Grenze), Masch (Marsch), Sandfurth (Sandabfuhr?), Sichtenbüdel (Bübl mit Sichter, Wasserrinne), Trens (trent=rund), Heerwisch (heir=Hirt), Hagenbrüch (Hainbruch), Ahnwend (Wasserscheide), Schieren (ebenfalls Scheide) Und Wischhof (Wiesenhof). Jenseits des Dissauer Weges ist Blanköhren merkwürdig; der Name dürfte aus bilang = seitlich und hörn = Ede zusammengezogen sein.


Bäche & Flüsse

In den Arfrader Wiesen sammelte sich die nach Osten zur Trave fließende Bargerau, die in ihrem Mittellauf Kleverau und bei Ihrer Mündung Trems >>in flamischer Zeit Premiße<< heißt. In den durch sie gebildeten Tremser Teich, tritt der nördliche Landgraben oder die Valkenbeke als Nebenbach ein. Zwischen beiden Bächen dehnt sich um die nordsüdliche Plöner Landstraße, die große Gemarkung Stockelsdorf, deren ältere Geschichte mit dem untergegangenen Ort Berge (nach dem Bargerau heute noch heißt) im Norden und mit Mori im Süden eng verknüpft ist.


Feuersbrunst 1833

Nach einer bedeutenden Feuersbrunst im Jahre 1833 ist dieses Dorf sehr verschönert. Die Häuser der Hufner (*) sind alle mit geschlossenen Hofplätzen und zum Teil auch mit neu angelegten Obst- und Gemüsegärten umgeben. Zu den wenigen Gebäuden, die das Jahr 1833 überlebten, gehörte das alte niedersächsische Bauernhaus der Familie Cassens aus dem Jahre 1747. Über der großen Dielentür war ein Holzbalken, welcher unter Naturschutz stand. Die Inschrift lautete: * Hans*Kahl*Anna Magreta Kahrlen Anno 1767, den 22. Mai us*. Das Haus brannte allerdings im Jahr 1964 vollständig nieder.

Weiter überstanden die Feuersbrunst von 1833 die Schmiede von Hans Fick aus dem Jahre 1815 (heute Zinke, Hauptstraße 11) und die Gebäude von Klinke (heute Richter, Hauptstraße 57) und Franz Drümmer (Hauptstraße 50). Möller kaufte sein Gehöft 1890 und brannte am Gründonnerstag des Jahres 1920 nieder.

(*) Ein Hufner, auch Hüfner genannt, ist ein Bauer, der als Grundbesitz eine, mehrere oder einen Teil einer Hufe Land bewirtschaftet.


Parzellenland

Seit 1803 oder 1804, vielleicht auch schon länger, besteht in Arfrade das „Parzellenland“. Dieses Land von 8,1 Hektar Größe, war als Nebeneinnahme für die Deputat- und Freiarbeiter des Dorfes gedacht. Es wurde zwischen den Arbeitern aufgeteilt, sodass jede Parzelle 60 Ruten groß war (ca. 1.015m²). Mit Pferden und Maschinen des Hofes durften die Arbeiter ihr Parzellenland bestellen und ernten. Bis zum Jahre 1950 gab es für 1 Pfund Roggen einen Gegenwert von 1 Pfund Brot. Ein Deputat-Arbeiter verdiente im  Januar 1944 als Wochenlohn 12,00 Reichsmark. An Abzügen hatte er 1,55 Reichsmark an Sozialversicherungen und 0,55 Reichsmark Lohnsteuer, so dass ein Netto-Wochenlohn  von 10,40 Reichsmark verblieb. Das Parzellenland bestand bis 1978, danach wurde es verkauft.


Wohngebäude

  • 1871 hatte Arfrade 40 Wohngebäude
  • 1900 hatte Arfrade 37 Wohngebäude
  • 1908 hatte Arfrade 35 Wohngebäude
  • 1964 hatte Arfrade 53 Wohngebäude
  • 1978 hatte Arfrade 56 Wohngebäude
  • 2010 hatte Arfrade 105 Wohngebäude*

* 80 Einfamilienhäuser, 15 Doppelhäuser, 10 Wohngebäude mit mindestens drei Wohneinheiten.